Unsichtbare Orte

Mai – November 2019

Dessau war das Laboratorium für das Bauhaus in den zwanziger Jahren. Die Stadt Dessau finanzierte und förderte, das Bauhaus experimentierte und produzierte. In der siebenjährigen Schaffensperiode in Dessau wurden Cafés, Wohnungen und Läden mit Möbeln und Textilien durch die Werkstätten eingerichtet, Fassaden von Gebäuden und Pavillons für Parks gestaltet, das Grafikdesign in Ausstellungen, Werbebroschüren, Zeitungen und Erscheinungsbildern verwirklicht.

Die Freiraumausstellung basiert auf der 2013 erschienenen Publikation der Stiftung Bauhaus Dessau „Die unsichtbare Bauhausstadt – Eine Spurensuche in Dessau“. Der damalige Stiftungsdirektor, Prof. Philipp Oswalt, hatte, angeregt von Joachim Landgraf, die Idee zu dem Projekt, der Kunsthistoriker Dr. Andreas Butter setzte es um. Das Ziel: Die Spuren des Bauhauses sowohl für die Bewohner als auch die Stadtbesucher sichtbar zu machen und darüber hinaus die Verknüpfungen zum Dessauer Kulturerbe der Aufklärung und Moderne aufzuzeigen.

Die dezentrale Ausstellung führt die Besucher in die 1920er Jahre. An insgesamt 14 Standorten in der Stadt wird über das Ankommen, Leben und Wirken, aber auch den Abschied der Bauhausmeister und ihrer Schüler informiert. Dabei sollen, jenseits der bereits bekannten Architekturen, Orte sichtbar gemacht werden, an denen die Meister und ihre Schüler einst lebten und arbeiteten. Darunter befinden sich Orte, die ihre grafische Handschrift trugen oder deren Innenausstattung bzw. deren Fassadengestaltung von ihnen stammte. Gezeigt wird, dass Lehrer und Studierende 1925 tatsächlich frischen Wind in die Stadt brachten. Mit Kreativität, Engagement, aber auch Lebensfreude und durchaus einer Prise Humor setzten die Bauhäusler neue Maßstäbe. Werke von Klee, Feininger und Kandinsky wurden in den Dessauer Galerien gezeigt und angekauft, Bauhausfeste zogen die Neugierigen an und nicht zuletzt durch den Anhaltischen Kunstverein wirkte das Bauhaus in den kulturellen und politischen Raum Dessaus hinein.
Wichtig waren aber vor allem die Kontakte zur Wirtschaft. Mit etwa einhundert Dessauer Firmen wurde zusammengearbeitet. Bereits nach wenigen Jahren spielte das Bauhaus eine Schlüsselrolle im Leben der Stadt.

Zentraler Ausgangspunkt der Exposition, die dem nachspüren will, ist der sogenannte Kulturkiosk, der auf dem Dessauer Marktplatz in der Zerbster Straße zu finden ist. Dort wird ein kurzer Animationsfilm des Büros 3undzwanzig in die Thematik einstimmen. Zugleich soll der Kiosk zum Verweilen einladen. Als Inspiration für diesen Treffpunkt diente der Entwurf des Bauhauslehrers Herbert Bayer (1900–1985).
Weitere Stationen für die sogenannten Bildbänke, die die Standorte im Stadtraum markieren, sind das Dessauer Rathaus, das Museum für Naturkunde und Vorgeschichte, die Franzstraße, die Mauerschule, der Stadtpark, Punkte in der Kavalierstraße wie das Alte Theater, die neue Touristinformation, die Johannisstraße, das Stadtarchiv, das Druckhaus in der Askanischen Straße und das Georgium.